Gay Sport Inside

Ganz schön lesbisch…

Online Dating

Ich oute mich hier mal als Userin von Lesben Online Dating Portalen. Meine letzten beiden Freundinnen lernte ich so kennen, wobei einmal eine langjährige, schöne Beziehung entstand und einmal ein zweieinhalbjähriges Desaster. Ich antwortete auf ihre Anzeige, was ich, wie sich im Nachhinein herausstellte, besser nicht getan hätte. Aber item - ich möchte ja hier nicht in der Vergangenheit stochern, sondern etwas über meine aktuelle Situation berichten. Momentan bin ich zugegebenermassen ein wenig frustriert.

Sportlicher Teil 1:

Ich hatte in den vergangenen fünf Wochen fünf Dates - sehr sportlich, wie ich finde. Zumal diese Dates ja sowohl organisatorischen als auch emotionalen Aufwand generieren. Da sind zum einen die vor den Verabredungen noch auszutauschenden Nachrichten - mitunter höchst amüsant aber recht zeitintensiv. Und zum anderen Telefongespräche, vorzugsweise spät abends oder nachts, manchmal durchaus auf- und anregend, spätestens aber am nächsten Morgen, sobald der Wecker klingelt und ich mich fühle wie vom Bus überfahren, sehr bereuenswert. Wobei ich zugeben muss, dass E-Mails und Telefonate manchmal aufregender und netter sein können, als das Treffen ansich.

Dabei ist es schon komisch, auf was für Frauen Frau so trifft. Das geht von der Komplex beladenen, psychopathischen Stalkerin (kreisch) über die ungepflegte Katzenfreundin mit Alkoholproblem (pffffffff) bis hin zur langweiligen, Homophoben mit Bandscheibenvorfall (seufz).  

Plattformunabhängig (die Liste ist übrigens schier end- aber eher nutzlos und drum möchte ich hier wirklich keine Werbung machen) stellte ich schnell fest, dass sich fast überall dieselben Damen tummeln. Nach dem Motto “Kennste eine, kennste alle”, ist es quasi überflüssig, sich bei unterschiedlichen Seiten anzumelden.
Besonders schön übrigens: Bei einer App wurden immer wieder Männer angezeigt, obwohl die Einstellung “nur Frauen” angewählt war. Auf meine Anfrage beim Support, warum dies so sei, erhielt ich leider keine Antwort. Schade.

Sportlicher Teil 2:

Viele Inserateschreiberinnen weigern sich Bilder zu schicken, oder rücken erst eines nach ewig langem “Kindergarten-Hin-und-Her” raus. Andere dagegen sind sehr grosszügig was Fotos anbelangt. Leider handelt es sich dann nicht um “normale” Bilder, nein. Das wäre ja noch nett. Es kommen Bilder von Beinen oder Unterleiben oder mit Skihelm und Schneebrille oder hinter irgendwelchen Bäumen. Jedenfalls immer so, dass wenig, bis nichts erkennbar ist, und schon gar kein Gesicht. Das scheint so eine Art Sport zu sein. Warum ist das so? Ich verstehe und sehe den Sinn dessen jedenfalls nicht. Mein Profil hat Fotos. Da weiss dann jede gleich, ob es halbwegs optisch passt, denn das Auge isst ja bekanntlich mit. Und ich persönlich schaue Frauen (zumindest meistens ;-)) zuerst ins Gesicht.

Dann gibt es noch die Frauen, die nach einer Absage weiterhin E-Mails schicken. Aus welchem Grund auch immer, denn was ist an: “Du bist nicht mein Typ, für mich passt es nicht. ” nicht zu verstehen. Oder die Heteropaare (Ja, die machen auch vor Lesbenportalen nicht halt!), die eine für einen Dreier suchen. WTF. Und eine schickte tatsächlich einen Fragenkatalog. Die Kandidatin hat leider nur 3 von 100 möglichen Punkten!? Ach du meine Güte. Was soll das?

Sportlicher Teil 3:

Kommt es dann doch zu einer Begegnung in der realen Welt, ist es nach den ersten 30 Sekunden häufig schon gelaufen. Denn ob wir uns mögen, resp. anziehend finden oder nicht, steht ja oft nach nur wenigen Sekunden bereits fest. Und damit fängt die sportliche Herausforderung erst richtig an. Besonders wenn sich die Sympathiepunkte in Grenzen halten und es das Gegenüber so ganz anders sieht. Autsch.

Ich jedenfalls, habe nun entschieden eine Onlinepause einzulegen, denn auf Dauer ist die ganze Sache doch recht mühsam und die Energien lassen sich besser einsetzen.

Stattdessen findet ihr mich und viele andere sportbegeisterte Lesben zum Beispiel live auf dem Tennisplatz beim
Pinkster Turnier in Amsterdam (7.-10.6.), bei den Zürich Rainbow Open (16.-18.8.), tanzend und singend bei der Züri Pride am Gay Sport Stand (14.-15.6.) oder an den Euro Games (11.-13.7) in Rom.

In diesem Sinne, habt einen sportlich-schönen Sommer!

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